X100F-Review (deutsch)

CLICK HERE FOR THE ENGLISH VERSION

In gut zwei Monaten hatte die Kamera einiges gesehen: Fahrrad-Touren, private Feste, eine Hochzeit. Wegen eines Defekts am Sucher war das Gerät dann in Reparatur. Nach ziemlich langer Wartezeit wurde die Kamera komplett ausgetauscht.

Die Fujifilm X100F ist eine Kompaktkamera ohne Zoom und ohne Bildstabilisierung. Für 1400 Euro. Gleich vorweg, das Modell hat Schwächen: Der Akku hält nicht gerade lange und der Autofokus hat Probleme mit bestimmten Mustern. Obendrein hat das Gerät diverse Eigenarten, viele Details mit denen man umgehen lernen muss. Der Weg dahin erzeugt ziemliche Frustmomente und man ist nie ganz am Ziel. Dieses Review fasst die bisherigen Erfahrungen zusammen und bespricht den Genuss, aber auch die Probleme mit der X100F.

X100F in der Ledertasche

F wie Fourth

Hier im Bild ist das Objektiv bereits mit einem Schutzfilter verlängert, im Werkszustand sieht der Apparat mit seinem flachem Objektiv noch freundlicher aus. Es handelt sich um meine erste Fuji-Kamera und ich bin beeindruckt von den Feinheiten. Zum Beispiel ist die Blendeneinstellung bei Teilstufen leichtgängiger als bei vollen Stufen.

Modell F (Fourth) ist die vierte Ausgabe der X100-Reihe. Vergleiche zu den Vorgängern kann ich mangels Erfahrung nicht ziehen, also werde ich die F für sich alleine genommen beschreiben. Alles ist sauber gearbeitet, nichts wirkt klapprig. Wenig Kunststoff, viel Metall. Regenschutz gibt es aber nicht und fallen lassen möchte ich den Apparat auch nicht. Die silberglänzende Oberfläche ist nicht speziell kratzfest.

Das Gerät verwende ich meistens mit der nachkaufbaren offiziellen Ledertasche. Das Taschen-Vorderteil lässt sich separat abnehmen, während das Unterteil an der Kamera verbleibt. Auf der Unterseite kommt man über eine Lasche an der den Batterie/Speicherkarten-Schacht heran. Das Stativgewinde ist jedoch nur nutzbar, wenn die Kamera ganz aus der Tasche herausgenommen wird.

Der Fotoapparat bietet einen moderaten Weitwinkel ohne Zoom, hat dafür aber eine lichtstarke Optik und einen ziemlich großen Sensor. Technisch gesprochen: Es ist ein 24-Megapixel-Sensor im Cropfaktor 1,52. Das Objektiv mit 23 mm physikalischer Brennweite bringt daher einen Bildausschnitt wie von 35 mm Brennweite bei Kleinbild. Die lichtstärkste Einstellung ist Blende 2.

Dieses Foto zeigt den Blickwinkel.

Sample photo straight out of camera

F wie Fotografieren

Die mit der X100F angefertigten Beispielbilder in diesem Blog zeigen zwar unterschiedliche Kamera-Settings, wurden aber nicht nachträglich bearbeitet.

Für gestellte Portraits nutze ich meistens ein Stativ und einen Drahtauslöser, weil das stilvoll aussieht. Zur Kontrolle dient das hintere Display. Bei Ausflügen hänge ich mir die Kamera mit der Ledertasche um den Hals. Hier möchte ich aber nicht auf das Display, sondern durch den Sucher schauen um beim Fotografieren die Umgebung besser auszublenden.

Der X100F-Sucher kann elektronisch oder optisch betrieben werden und auch im Optikmodus noch Informationen einblenden – auf Wunsch sogar ein kleines digitales Vorschaubild. Das ist dann die Hybrid-Variante des Suchers. Das elektronisch angezeigte Bild kann die gesamte Szene darstellen, eine moderate Vergrößerung um den Scharfstell-Punkt, oder eine starke Vergrößerung.

Das Gerät kommt ohne jede Bildstabilisierung aus, weshalb ich zwei der drei Automatik-Profile auf schön kurze Belichtungszeiten gesetzt habe. Sich in die Menüs einzufuchsen, dauert etwas.

Neben der klassischen Bildausgabe als Jpeg-Datei wird natürlich auch ein Raw-Format unterstützt, welches alle Sensor-Daten verlustfrei aufbewahrt. Mit Raw-Dateien kann man mehr Struktur in den Wolken zeigen und feines Baumgeäst besser auflösen. Aber nach einer Fototour habe ich keine Lust, mich groß an den Computer zu setzen um die Raw-Bilder zu bearbeiten. Immerhin kann man Raw-Dateien im Apparat verlustfrei komprimieren lassen. Das reduziert die 50 MB auf ungefähr die Hälfte. Ein Jpeg in voller Auflösung beansprucht um die 9 bis 15 MB. Neuerdings nehme ich oft nur noch das Jpeg auf.

Abseits der Technik hilft auch das Design des Fotoapparats, um die Chancen auf gute Fotos zu steigern: In der Öffentlichkeit wirkt die Kamera nicht bedrohlich, außerdem kann man so tun als wolle man ein bestimmtes Objekt dahinten ablichten – während sich die interessante Szene unbemerkt am Bildrand befindet. Bei privaten Treffs, zum Beispiel auf einer Party, kann man Leute fotografieren ohne ihnen mit einem wuchtigem Objektiv vor der Nase herumzufuchteln. Durch ihr fast schon analoges Design bringt die X100F die Bedeutung vergangener Tage zurück. Pro Film hatte man weniger als 40 Aufnahmen, jedes Foto war noch ein besonderer Moment. Die X100F ist natürlich eine Digitalkamera, trotzdem scheinen Partygäste ihr mehr Bedeutung zuzumessen als einer Handykamera.

Die X100F arbeitet mit Zentralverschluss, ist also schön leise wenn man den Lautsprecher-Sound abschaltet. Der alternative elektronische Verschluss ist sogar komplett lautlos. Ein in der Kamera eingebauter Bild-Puffer erlaubt, viele Fotos schnell nacheinander aufzunehmen.

Sample photo straight out of camera

F wie Funktionalität

Durch den großen Sensor kann die Kamera auch feine Schattierungen noch sauber aufnehmen. Die Sensor-Empfindlichkeit geht bis Iso 12800. Bei dieser Einstellung wird ein Bild natürlich schon recht flau, es kann aber für normale Monitorgrößen noch verwendet werden. Gerade nachts braucht man diese Reserven. Bei Tageslicht oder Dämmerung sind die Aufnahmen hervorragend klar und rauscharm.

Bereits mit Standard-Dynamik erfasst die Kamera sowohl ziemlich helle Lichter, als auch dunkle Schatten. Mit erhöhter Dynamik belichtet die Kamera absichtlich zu kurz, um Überbelichtung zu vermeiden. Die zu kurze Belichtung gleicht das Gerät mit einem in den Schatten hochgerechnetem Iso-Wert aus. Vielleicht wird dieser Ansatz bereits mit Standard-Dynamik verfolgt, das würden den Mindest-Iso-Wert von 200 erklären.

Möchte man bei praller Sonne die Blende trotzdem weit aufmachen, kann man mit superkurzen Verschlusszeiten arbeiten. Wenn das nicht reicht, schaltet man den eingebauten Graufilter zu. Manchmal, auch ohne besondere Umstände, geraten die Fotos der X100F ohne nachvollziehbaren Grund etwas zu dunkel, wobei eine spätere Korrektur am PC problemlos möglich ist.

Das Besondere bei der X100F ist der vielseitige Sucher. Das elektronische Sucherbild ist für die meisten Zwecke gut genug, außer bei sehr hellen oder dunklen Stellen. Wer manuell scharfstellen möchte, kann auf diverse Hilfen zurückgreifen, sogar ein digitaler Schnittbildindikator steht zur Verfügung. Man kann alle möglichen Informationen ein- oder ausblenden, darunter einen künstlichen Horizont – auch im optischem Modus. Das Sucherbild ist natürlich nicht so groß wie bei einer Spiegelreflex, das lässt sich bei einem Kompaktgerät wahrscheinlich nicht realisieren.

Bei so einer Kamera möchte ich hohe Stabilität und bin froh, dass der Bildschirm nicht ausklappbar, sondern fest eingebaut ist. Am Gehäuse gibt es Räder, Knöpfe, ein Vier-Wege-Pad plus einen Joystick – da vermisse ich auch keine Touch-Funktion auf dem Display.

Ebenfalls gefällt mir, dass es kein PSAM-Moduswahlrad gibt und man die Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit stattdessen direkt einstellt. Voll- und halbautomatische Modi lassen sich weiterhin auswählen. Die Einstellfunktionen kann man auch auf andere Räder legen, das ermöglicht bei der Belichtung dann noch feinere Unterteilungen.

Außerdem kann man bis zu sieben Tasten selbst belegen. Dabei komme ich mir ein bisschen vor, als würde Fujifilm mich mein eigener Fotoapparat-Konstrukteur sein lassen. Das Gerät erlaubt, sich auch ein “My Menu”, sowie ein nochmal schneller zu bedienendes “Quick Menu”, sowie mehrere einige Bildprofile zu erstellen. Bei der X100F habe ich nirgends das Gefühl, dass der Hersteller mit Absicht Sachen weglässt um mich zum Kauf eines größeren Modells zu bewegen.

Es gibt sogar Pixelmapping um defekte Sensorpixel zu erkennen. Das Austausch-Gerät hatte eine Gruppe von einigen Hotpixeln, die immer weiß waren. Nachdem das Pixelmapping durchgelaufen ist, werden diese rückstandsfrei weggerechnet – auch im Raw-Bild. Da mit der Zeit noch weitere Pixel ausfallen könnten, freue ich mich, dass hiermit wenigstens keine Bildfehler erzeugt werden.

Sample photo straight out of camera

F wie Fujinon

Um die Außenlinse zu schonen, habe ich einen Klarsicht-Schutzfilter gekauft. Weil man für Filter einen Adapter braucht, wird das Objektiv ein gutes Stück länger und ist damit nicht mehr so angenehm unaufdringlich. Dankenswerterweise ist diese Option bei der Tragetasche berücksichtigt, auch das Vorderteil passt noch.

Bei fest eingebauter Optik schwingt immer die bange Frage mit, ob sie auch gut ist. Den Aufbau hat Fuji veröffentlicht: Es gibt innerhalb des Objektivs ein doppelseitig-asphärisches Element, im Wesentlichen handelt es sich aber um eine Konstruktion mit herkömmlichen Linsen. Der Flachbauweise wegen geht die X100F-Optik Kompromisse ein. Folgende Merkmale gelten nur bei weit offener Blende: Punktlichter in der Nacht zeigen teilweise einen Strahlenkranz. Egal ob nachts oder tags, man bekommt um harte Kontraste herum einen lila Farbsaum. Im Nahbereich verliert das Bild Kontrast. Mit anderen Worten betreffen die Probleme nicht den fotografischen Alltag und wenn sie doch auftreten, bekommt man sie in den Griff indem man einfach die Blende etwas zudreht.

Unabhängig von der Blende zeigt sich eine leichte tonnenförmige Bildverzeichnung. Wenn man ein Auge dafür hat, kann das bei Architekturfotografie so weit stören, dass eine Korrektur am PC anzuraten ist. Interessanterweise sorgt die Bildverzeichnung bei Gruppenfotos dafür, dass die perspektivische Weitwinkel-Verzerrung von Köpfen am Bildrand etwas gedämpft wird. Insgesamt reden wir von einer schwachen Verzeichnung, die in fast allen Situationen gänzlich unbemerkt bleibt.

Je nach dem, von wo die Sonne ins Objektiv reinstrahlt, hat man Streulicht im Bild. Das kann ein Motiv stören, dann schatte ich nach Möglichkeit die Sonne mit der Hand ab. Bei ungünstigen Winkeln ist das nicht möglich, man hat dann helle Flecken im Bild, darunter einen aufdringlichen roten Kreis. Manchmal nutze ich das Reinstrahlen der Sonne aber auch mit Absicht.

Will man den Hintergrund bewusst unscharf halten, zeigt sich im sogenannten Bokeh eine Überkorrektur. Insgesamt bietet die Optik im Bokeh-Bereich aber einen guten Kompromiss aus Unschärfe und Effekthascherei mit Lichtscheiben.

Wenn man mit dem Objektiv umgehen lernt, erzeugt es fan-tas-tische Bilder. Ich stelle mal die steile These auf, dass die mathematisch suboptimale Linsen-Konstruktion den Fotos eine Stimmung gibt, die von Fujifilm genau so beabsichtigt war.

Sample photo straight out of camera

F wie Film

Die gute Leistung bei wenig Licht erreicht die Kamera durch gute Sensor-Hardware mit Kupfer-Verdrahtung, aber auch durch Software – konkret mit betonter Reduzierung des Farbrauschens. Damit muss das Helligkeitssignal nicht so stark angefasst werden, wodurch dass das Bild viel von der Lichtstimmung behält ohne im Rauschen zu ertrinken.

Der Sensor hat eine ungewöhnliche Farbpixel-Anordnung, “X-Trans” genannt. Während herkömmliche Farb-Masken ein sehr regelmäßiges Muster bilden, verwendet X-Trans eine weniger regelmäßige Anordnung. Das ist etwas näher am analogen Film, dort sind lichtempfindliche Bestandteile komplett zufällig verteilt. Ist das nun besser, oder nur anders? Jedenfalls versucht der Hersteller, sich abzusetzen.

Unser Auge ist für Helligkeits-Abstufungen empfindlicher als für Farbton-Nuancen. Die Helligkeit eines Foto-Bildpixels wird überwiegend von der Grün-Komponente bestimmt. Ein normaler Sensor hat zu 50% Grün-Pixel. X-Trans hat einen etwas größeren Grün-Anteil, was eine bessere Helligkeitsabstufung ermöglicht. Als Nachteil leidet die Auflösung von Farbe. Insgesamt ist X-Trans näher am Idealwert.

So weit die Theorie. In der Praxis verwendet Fuji in der Bildausgabe jedenfalls einen Trick, um Objekte aus dem Foto optisch herauspoppen zu lassen. Hierfür wird die Grenze zwischen Flächen mit unterschiedlichen Farben sehr scharf gezogen. Zusätzlich bekommt das Bild eine Tiefenwirkung indem Schattenbereiche noch mal künstlich nachgedunkelt werden. Die Schatten laufen aber nicht einfach im Schwarz zu, sondern zeigen auf einem guten Monitor noch Abstufungen im Dunkeln. Die Bildausgabe lässt sich dem persönlichen Geschmack gemäß mit Schattenstärke, Lichterstärke, Bildschärfe und Kräftigkeit der Farben einstellen.

Fuji geht noch einen Schritt weiter und berücksichtigt auch die Besonderheiten der Farbwiedergabe und der Hell-Dunkel-Zeichnung von chemischem Film-Material. Das Fujifilm-Marketing greift hierfür Namen bekannter analoger Filme auf.

Sample photo straight out of camera

F wie Farbe

Mit der “Velvia”-Simulation werden die Farben ein Stück hochgedreht, zusätzlich sind Himmelblau und Sonnengelb jeweils ganz leicht ins Rötliche verschoben und wirken damit kräftiger. Die Velvia-Bildstimmung wird von der Farbe getragen. Das Gegenteil davon ist “Classic Chrome”. Vor allem schreiende Farben werden hier gedämpft, das Bild wirkt angenehm unaufdringlich. Auf den ersten Blick denkt man “Ein gutes Foto”, erst beim zweiten Hinschauen fällt auf, dass der farbliche Pep fehlt. Dafür sind Lichtverläufe besonders gut sichtbar.

Es gibt eine Handvoll weiterer Optionen. Der Standardmodus ist ebenfalls eine Filmsimulation und heißt “Provia”. Das ist meine Lieblingseinstellung. Was die “Provia”-Ausgabe für Farben erzeugt, finde ich spitze. Das Bild ist ausgewogen und verzichtet auf Effekte, die sich abnutzen. Das Schaufenster-Bild mit den Vasen nutzt diese Simulation. Obwohl es noch spezielle Portrait-Filmsimulationen zur Auswahl gibt, kann man sich bereits bei Provia darauf verlassen, dass Hauttöne gut dargestellt werden.

Bei Vegetation zeigt sich, dass das Provia-Grün eine Spur zu satt und zu dunkel ist. Das erinnert an gängige analoge Farbfilme – kein Wunder. Für mich ist der Ansatz den die Kamera bietet, eine Erleichterung: Anstatt einfach nur mehr Megapixel zu bringen und auf die Raw-Fähigkeit zu verweisen, hat die X100F auch eine eingebaute Bildverarbeitung die ein in sich stimmiges Foto erzeugt.

Als Gastfotograf bei einer Hochzeit nutzte ich die Simulation “Pro Neg Hi”. Die blasseren Farben und dafür etwas konturierteren Schatten gaben genau die Atmosphäre wieder, die ich bei Hochzeitsfotos haben möchte. Andere Gäste hatten teilweise detailliertere Bilder aufgenommen, aber auch deutlich größere Geräte verwendet.

Für Freude der Schwarzweißfotografie gibt es neben dem Standard-Monochrom-Modus noch “Acros”. Dank Acros mache ich überhaupt mal einige Bilder in Schwarzweiß. Flächen mit ähnlicher Helligkeit lassen sich dank feinen Schattierungen auseinanderhalten. Auch sehr helle und dunkle Bereiche zeigen noch einen verblüffenden Detailgrad. In Vergrößerung wird ein angenehmes Filmkorn sichtbar.

Sample photo straight out of camera (Acros simulation)

F wie Fokus

Um die X100F als schnelle Point-and-Shoot-Kamera zu verwenden, empfiehlt sich der Autofokus-Modus “Wide”. Alternativ nutze ich manchmal den manuellen Fokus, den ich anhand der digitalen Entfernungsanzeige auf die ungefähr richtige Entfernung einstelle. Seit der Firmware 1.01 merkt sich die Kamera die manuelle Fokuseinstellung beim Ausschalten. Ob “Wide”-Autofokus oder manuelle Abschätzung, man erhält mit Bilder, die für viele Zwecke scharf genug sind.

Um für eine Aufnahme volle Kontrolle zu bekommen, ist der “Spot”-Modus notwendig. Den Fokus-Punkt kann man bequem per Mini-Joystick verschieben. Meistens klappt es, auf den gewählten Ausschnitt scharfstellen zu lassen. Leider verfranzt sich der Autofokus-Modus manchmal und stellt zum Beispiele eine Entfernung von 3 Metern ein, obwohl die Bäume rund 50 Meter entfernt sind.

Neben Bäumen sind es auch Schieferdächer, Wiesen oder Schilfrohr-Felder, die den Fokus durcheinanderbringen können. Manchmal passiert es auch ohne erkennbaren Grund, dass die Kamera den Fokus bestätigt obwohl im Bild keine einzige Stelle scharf ist. Der Fehlfokus tritt eher bei sonnigem Wetter auf. Insgesamt ist die Ausschussrate zwar noch gering, aber ich finde es ärgerlich, dass eine falsche Fokus-Einstellung vorkommen kann. Ruft man mit halb-gedrücktem Auslöser die Scharfstellung erneut auf, findet das Gerät dann meistens den korrekten Fokus, allerdings ist das Display- oder Sucherbild zu klein, um einen korrekten oder falschen Fokus zu erkennen.

Die X100F erlaubt, den Bildbereich am AF-Punkt zu vergrößern um so die Schärfe zu beurteilen. Dank Hybrid-Modus ist das auch im bei optischem Sucherbetrieb möglich. Als schnelle Hilfe kann man auch einfach die digitale Fokus-Entfernungsanzeige nutzen. Das ist wieder so eine typische X100F-Eigenschaft: Die Kamera bietet alle Werkzeuge, man sollte sie aber auch einsetzen.

Es kann passieren, dass eine geringfügige Abweichung das Bild einen Tick unscharf macht. Das Foto bleibt brauchbar, außer im Großdruck. Eine hingegen rundum gelungene Aufnahme – der Normalfall bei der X100F, nur eben kein Dauerzustand – zeigt einen Detailgrad, den man bei einer Kamera dieser Größe nicht erwartet.

Neben Wide- und Spot-Autofokus gibt es noch eine Kompromiss-Form, den Zone-Autofokus. Das wäre für viele Einsatzgebiete der optimale Modus, leider treten hier auch Fokusfehler sporadisch auf. Der Kontrollblick auf die Entfernungsanzeige bleibt zur Ausschuss-Vermeidung notwendig. Das Problem ist hier, dass die Kamera oft genug richtig scharfstellt dass man sich die Kontrolle wieder abgewöhnt bis sich das Gerät dann eben doch mal wieder danebengegriffen hat.

Sample photo straight out of camera

F wie Festbrennweite

Alle meine bisherigen Apparate hatten Zoom. Jetzt auf einen moderaten Weitwinkel festgelegt zu werden, erweist sich weniger als als Einschränkung, mehr als Befreiung. Man kann auch mit dem bloßen Auge nicht zoomen. Mit der X100F konzentriert man sich auf die Szene und macht einfach ein Foto.

Um ein Objekt zu betonen, nutze ich öfter mal das Hochformat oder schneide ein Quadrat aus. Oder nutze eine Ausschnittsvergrößerung, bei 24 Megapixeln hat man ordentlich Spielraum.

Die ersten Tage nach dem Kauf hatte ich immer wieder ein seltsames Gefühl: So viel Geld für eine Festbrennweite? Es gibt zwei Digitalzoomstufen, natürlich mit Verlust in der Bildqualität. Für optische Änderung des Blickwinkels bietet Fuji zwei Konverter zum Nachkaufen an. Der einen bietet einen größeren Blickwinkel, der andere holt das Bild näher heran. Die Konverter habe ich nicht, fühle mich aber entspannter, weil diese Option besteht.

Mein “Zoom” heißt also: Laufen. Beim Laufen beschäftige ich mich bereits gedanklich mit dem Motiv, aber ich laufe natürlich nur, wenn ich denke dass es sich lohnt. Nehme ich dann etwas von Nahem auf, hat das Foto eine gewisse Art von Ehrlichkeit, weil ich tatsächlich dort war und nicht nur hingezoomt habe. Man kann nicht immer weit genug hin- oder zurücklaufen, entwickelt aber ein Auge dafür, was sich mit dem vorhandenen Blickwinkel aufnehmen lässt und findet Perspektiven, an die man vorher nicht gedacht hat.

Festbrennweite ist nicht für jeden und nur weil ich damit jetzt gut auskomme, würde ich es nicht generell empfehlen. Der Nicht-Zoom wird für viele Anwender die X100 bestenfalls zu einer netten Zweitkamera zu machen. Ich setze sie als meine einzige Kamera ein. Damit schließe ich einige Fotomotive von vornherein aus. Für mich zählt aber nicht mehr, welche Bilder ich mit einer Kamera theoretisch machen könnte. Sondern welche ich wirklich mache.

Sample photo straight out of camera

F wie Fotoapparat

Zoom, Bildstabilisierung, Klapp-Display, Touchfunktion – die X100F sagt nein zu Technologien, die sich bei Kompaktgeräten eigentlich längst durchgesetzt haben. Im Menü versteckt gibt es eine Videofunktion, die ist aber nicht der Rede wert. Panorama-Funktionen gibt es ebenfalls, die sind aber auch kein Glanzpunkt. Aber bei Standbild-Aufnahmen bietet das Gerät ein Gefühl von “Ich fotografiere jetzt”.

Durch den Sucher schauen, auslösen, danke. Dazu die feinmechanisch wirkenden Einstellräder, das freundliche Aussehen der Kamera und die entsprechenden Reaktionen der Leute, das macht Spaß.

Gibt es zu viel Schatten im Bild, kann der Blitz schön auffüllen. Weil alle tatsächlich benötigten Sachen im das Gerät eingebaut sind, greift man einfach zu dieser Kamera und ist ausgerüstet.

Die Vorderansicht der X100F hat außer der Objektiv-Beschriftung nichts weiter aufgedruckt. Keine Megapixel-Zahl, nicht mal eine Modell-Abkürzung. Man sieht nur einen Fotoapparat.

X100F in der Ledertasche

F wie Fazit

Zunächst die positiven Punkte: Die X100F ist perfekt um kleine Gruppen von Menschen zu fotografieren. Nach etwas Übung gelingen mir nun auf betrieblichen oder privaten Anlässen viele gute Fotos. Man kann die Kamera auch nutzen, um die direkte Umgebung oder Landschaft zu dokumentieren, sie ist dabei noch kompakt genug um sie überall hin mitzunehmen.

Das Objektiv ist für seine Flachbauweise verblüffend gut und geht dabei nur wenige Kompromisse ein. Einige Kompromisse lassen sich sogar als Gestaltungswerkzeug kreativ einsetzen.

Die “Film-Simulationen” dürften auch unter dem Marketing-Gesichtspunkt entwickelt worden sein, die Jpeg-Ausgabe ist aber in der Tat so gut dass man ein Bild nach Zuschnitt und vielleicht einer kleinen Helligkeitskorrektur direkt verwenden kann. Natürlich gibt es auch das Raw-Format, sogar mit verlustfreier Komprimierung.

Das Hardware-Problem meiner X100F (die innere Lichtabdeckung im Sucher konnte festhängen) wirft kein gutes Licht auf Fujis Qualitätskontrolle, aber hier hatte ich wohl einfach Pech. Aber die laaange Zeit von über fünf Wochen bis es eine Lösung gab ist ziemlich enttäuschend. Bei einem 1400-Euro-Gerät erwarte ich einen professionelleren Kundenservice.

Vom Garantiefall abgesehen sehe ich bei der X100F einige generelle Probleme, wobei alle durch Firmware-Erweiterung lösbar wären:

  • Der gelegentliche falsche Autofokus sollte abgestellt werden. Wäre das in der Umsetzung zu kompliziert, böte sich an, eine Option einzubauen erst mal einen Fokus im Fernbereich zu suchen. So eine Einstellung gibt es bei vielen anderen Kompaktkameras auch.

Eigentlich hätte ich noch weitere Ideen, so könnte das Punktlicht-Problem bei Offenblende durch eine Option verhindert werden, die erlaubt, für Automatik-Modi die Blende zu begrenzen. Dann hätte ich gerne eine Option, dass die leichte Bildverzeichnung digital korrigiert wird. Und als Alternative zum Digital-Zoom hätte ich gerne noch Digital-Crop.

Das Hauptproblem ist aber die erwähnte Scharfstell-Problematik dass die Kamera in einigen – seltenen – Fällen auf einen nahen Bereich fokussiert, obwohl alle Objekte im Bildausschnitt weit entfernt sind, so dass ein durchweg unscharfes Foto aufgenommen wird. Würde dies auf die eine oder andere Art behoben oder zumindest verbessert werden, könnte ich mit allen anderen Sachen locker leben.

Leave a Reply